Der Klingelberger
Das ganz und gar unbescheidene Ziel ist die Herstellung eines großen Rieslings.
Er soll schöne Frucht mit ausgeprägtem Körper verbinden, bei Riesling typischer Säure,die auch absolut hoch sein darf. Anders formuliert schwebt mir ein Wein vor, der sich irgendwo zwischen den Rheingau-Rieslingen und den großen elsässischen Rieslingen einreiht und, idealerweise, deren spezifische Besonderheiten vereint.
Als natürliche Voraussetzungen sind gegeben: die Steillage mit bis zu 120% Steigung in praktisch ausschließlicher Südausrichtung und die Granitverwitterung als Terroir. Von Menschenhand hinzugefügt ist die Terrassierung und die dadurch bedingte vergleichsweise geringe Zahl an angepflanzten Rebstöcken. Dies und ein rigoroser Rebschnitt sorgen für eine natürliche strenge Mengenbeschränkung, eine weitere unabdingbare Erfordernis für die Produktion eines ausgezeichneten Weins.
Dies ist ein großes Ziel, aber: ohne Vision ist kein großer Wein zu produzieren.
Natürlich gibt es in Durbach mächtige Vorbilder, die höchste Anerkennung genießen. Meine Intention besteht im Gegensatz zur derzeitigen Praxis, die vielleicht nur eine Mode ist, dediziert darin, absolut trockene Weine hervorzubringen, die nur ausnahmsweise natürliche Restgehalte an Zucker enthalten. Dafür werden nicht unerhebliche kellertechnische Anstrengungen unternommen, auch in kritischen Jahren den Most komplett durch zu gären. Wenn dann allerdings Restzucker erhalten bleibt, wird dies
auch akzeptiert.
Eine wichtige Erfahrung bereits der ersten Jahre besteht darin, daß besonders die Spätlesen frühestens nach zwei Jahren eine erste Trinkreife erreichen, so daß sie dem oben genannten Ziel viel näher kommen als der junge spritzige Wein. Dies steht in der Tradition aller großen Rieslinge, stammten sie nun aus dem Rheingau oder dem Elsaß. In beiden Anbaugebieten haben die großen Häuser immer an der Tradition festgehalten, ihre Spitzengewächse erst nach mehrjähriger Lagerung auf den Markt zu bringen.
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